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  Chemnitz – Ein Vorschlag zur Neuanlage der südwestlichen Innenstadt
Projekt 2000

Die Frage nach der Stadt ist das Thema der Arbeit. Am Beispiel der südwestlichen Innenstadt von Chemnitz wird eine architektonische Welt entworfen, die unserem Bild vom Leben entspricht. Die Anfänge der Stadt Chemnitz gehen zurück auf das 12. Jahrhundert. Durch Handel und Verarbeitung textiler Gewebe entwickelte sich eine mittelalterliche Stadtkultur. Der radiale Stadtkörper wuchs auf einen Durchmesser von 500 Meter. Die um 1800 einsetzende Industrialisierung bedingte eine Überformung der Stadt. Die Umfassungsmauern wurden geschliffen und Vorstädte, Fabrikanlagen, Bahnhöfe und zahlreiche öffentliche Gebäude entstanden. Um 1900 hatte Chemnitz 200.000 Einwohner und etablierte sich als Fabrik- und Handelsgroßstadt. Das Zentrum war geprägt von Warenhäusern, Kinos, Theatern und Gaststätten. Diese kontinuierliche Stadtentwicklung wurde im 2. Weltkrieg unterbrochen. Die Chemnitzer Innenstadt wurde zu 80 Prozent zerstört.

Der Wiederaufbau orientierte sich an dem traditionellen Stadtgrundriß. Mit der industriellen Bauweise und den veränderten Grundbesitzverhältnissen ab den siebziger Jahren ergaben sich neue, großflächige Konzepte für die Stadtgestalt. In der Innenstadt entstand im nordwestlichen Teil eine Stadthalle mit Hotel und im südwestlichen Teil eine Wohnsiedlung mit Einkaufstraße. Die neuen wirtschaftlichen Bedingungen in den neunziger Jahren bedingen ein kommerzielles Stadtkonzept. Es entstehen Großformen in der Innenstadt, die dem Kauf und dem Erlebnis dienen sollen. Die einseitige Ausrichtung der Stadtplanung auf den konsum- und erlebnisfähigen Menschen führt weitläufig zum Verlust unserer städtischen Welt. In Kombination mit dem Erbe der Wohnsiedlungen ergibt sich eine funktionale und formale Monotonie. Die südwestliche Innenstadt von Chemnitz besteht aus einer Großsiedlung in Tafelbauweise. Sie übernimmt nicht die Aufgabe des Stadtkerns als Treff- und Sammelpunkt der Stadtgemeinschaft und der Fremden. Die Ausstrahlung einer Stadt geht vom Kern mit seinen Monumenten aus.

Diese Arbeit ist ein Vorschlag zur Neuanlage dieses innerstädtischen Viertels. Die Struktur ist eine städtebauliche Alternative zu Bewahrung, Rekonstruktion und Überformung von Stadt. Die neue Anlage besteht aus öffentlichen Gebäuden, Baublöcken und einem Grüngürtel, der den Stadtkern umschließt. Er schafft die Stadtform und verbindet die Teile. Hier liegen die öffentlichen Gebäude und verbinden sich über Plätze mit dem neuen Stadtviertel. Der Grundbaustein der gesamten Anlage ist der Baublock. Er ist in einzelne Körper untergliedert. Diese umschließen einen Hof. Durch horizontale Funktionsmischung entsteht eine symbolhafte, ausdrucksstarke Architektur. Die motorisierte Erschließung ist über eine zentrale Großgarage gewährleistet. Von dort wird die Anlage zu Fuß erschlossen. Die Architektur des neuen Stadtviertels ahmt nicht das Bild einer gewachsenen Stadt nach, sondern ist vielmehr rational ausgedrückter Wille zur Stadtkultur.
 
  Abb. 01
Perspektivische Straßenansicht. Vielschichtigkeit der Baukörper im Stadtgefüge.

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Abb. 02
Stadtmodell. Durch Differenzierung entsteht ein Netz unterschiedlicher Räume.

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Abb. 03

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Abb. 04
Stadtgrundriß. Die neue Anlage besteht aus öffentlichen Gebäuden, Baublöcken und einem Grüngürtel.

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Abb. 05
Baublock, perspektivische Ansichten und Schnitt. Der Grundbaustein der neuen Anlage.

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Abb. 06
Baublock, Erdgeschoßgrundriß. Einzelne Baukörper (Restaurant, Wohnhäuser und Bürohaus) umschließen einen Hof.

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Abb. 07
Baublock, Modell. Durch horizontale Funktionsmischung entsteht eine ausdrucksstarke Architektur.

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Abb. 08

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Abb. 09
Stadtbibliothek, perspektivische Ansicht. Die Ausstrahlung einer Stadt geht vom Kern mit seinen Monumenten aus.

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Abb. 10
Stadtbibliothek, Hauptgeschoßgrundriß.

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Abb. 11
Stadtbibliothek, perspektivische Ansicht und Schnitte. Die innere Struktur folgt dem Haus-im-Haus Prinzip.

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Abb. 12
Stadtbibliothek, Obergeschoß- und Sockelgeschoßgrundriß.

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Abb. 13
Stadtbibliothek, Modell. Über einen Platz verbindet sich das Gebäude mit den umliegenden Baublöcken.

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Abb. 14

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